17. Kunstflâneur ’26
Das Denkmal „Für Capri und Roxi“ auf dem Enckeplatz stammt von den Künstlerinnen Franziska Opel (*1984) und Hannah Rath (*1983). Der Werktitel bezieht sich auf die Capri-Bar (1956-1963), die sich nur wenige Meter vom Kunstwerk entfernt befand. 1960 erließ das Hamburger Bezirksamt Mitte das sogenannte Tanzverbot. In den lokalen Szenetreffs, etwa in der Capri-Bar, Roxi oder Bar Bohème, war es Männern von da an verboten, miteinander zu tanzen. Eine Hamburger Besonderheit: Ein vergleichbares Verbot gab es nirgendwo sonst. Mit dem Tanzverbot sollten homosexuelle Cafés unwirtschaftlich gemacht werden.
Die Initiative „Denk-mal sexuelle Vielfalt“ hatte sich über Jahre eingesetzt, in Hamburg einen Ort zu schaffen, der an gegenwärtige und vergangene Verfolgung und Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität erinnert. Der Hamburger Senat beschloss 2023, einen solchen Gedenkort an der Binnenalster, Ecke Neuer Jungfernstieg und Lombardsbrücke, einzurichten. Zur künstlerischen Umsetzung wurde ein eingeladener Wettbewerb unter 15 Künstler:innen und Teams durchgeführt. Den 1. Preis erhielten Franziska Opel und Hannah Rath für ihren Entwurf und den 2. Preis das Studio Other Spaces (Sebastian Behmann und Ólafur Elíasson) mit dem „Pavillon der Stimmen“.
Wie es dazu kam, dass nun der 2. Preis auf dem vorgesehenen Platz an der Binnenalster realisiert wird und der 1. Preis an einem anderen Ort, lässt sich in dem spannenden Bericht in der Fachzeitschrift kunststadt.stadtkunst nachlesen.
Franziska Opel und Hannah Rath arbeiten sowohl einzeln als auch gemeinsam als Künstlerinnen und nehmen seit 2020 zusammen an Wettbewerben teil. Ihre farbig schillernde Stahlskulptur „Für Capri und Roxi“ besteht aus mehreren Schlaufen von jeweils 2,50 Metern Durchmesser. Wie ein überdimensionales Geschenkband von fünf Metern Länge steht es „für die Freiheit zu lieben und geliebt zu werden, für körperliche Selbstbestimmung und die Freiheit, Begehren offen zu leben und auszudrücken“, so die Künstlerinnen – und erinnert zugleich durch den Titel an die Unterdrückung der queeren Community.
Die Einweihung des Denkmals Anfang Oktober war ein besonderes Fest, bei dem auf dem Platz rund um die Skulptur viel getanzt wurde. Ich finde das Denkmal an diesem Ort sehr gelungen. Es ist ein ruhiger, schöner Platz direkt bei den Wallanlagen, liegt in der Nähe der früheren Capri-Bar und bietet viel Raum zum Tanzen und Feiern.