Matt Mullican

13. Kunstflâneur ’26

Am Lornsenplatz 5 in Altona hängen an der Fassade zweier Stadthäuser zwei klassische Emailleschilder, wie sie sonst für Straßennamen verwendet werden. Allerdings sind die Schilder leuchtend gelb. Zu lesen ist auf ihnen „Democritus“ und „British Columbia“. Diese Begriffe bezeichnen einen frühgriechischen Philosophen (Demokrit) sowie eine Kanadische Provinz. Worauf weisen sie hin oder was verbirgt sich in diesen Gebäuden?

Diese Schilder gehören zum Projekt „City as a Map of Ideas“, das von dem US-amerikanischen Künstler Matt Mullican (*1951) entwickelt wurde. Der in Berlin und New York lebende Künstler versucht mit seinen Arbeiten die Welt, die uns umgibt, zu erfassen und entwickelt dafür individuelle Kategorisierungssysteme mit dem Ziel, die wahr­genommene Welt zu organisieren bzw. zu strukturieren – ähnlich einer Enzyklopädie. Er lehnt an jene Modelle an, mit denen der Mensch sich die Welt ordnend zu erklären sucht (z. B. Enzyklopädien, tabellarische Auflistungen, Stadtpläne oder Piktogramme).

An der HFBK Hamburg hatte Mullican von 2009 bis 2019 eine Professur für zeitbezogene Medien inne. Zu seinen Studierenden gehörte auch Till Krause (*1965). Gemeinsam mit der von Anna Gudjonsdottir und Till Krause gegründeten Galerie für Landschaftskunst wurde das Projekt „City as a Map of Ideas“ für Hamburg weiterentwickelt. Es verbindet künstlerische Kartierung mit philosophischen Fragen danach, wie Menschen ihre Welt organisieren und interpretieren, wobei die Stadt als Metapher für den Geist und seine Ideen dient.

Till Krause erhielt 2022 Fördergelder aus den Corona-Sondermitteln für Kunstprojekte im öffentlichen Raum, um „City as a Map of Ideas“ in Hamburg umzusetzen: „die Kartierung eines exemplarischen Stadtraumes unter Einbeziehung der Anwohnerinnen und Anwohner“. Mehrere gelbe Schilder mit Begriffen für unterschiedliche Orte in Hamburg wurden dafür produziert und seitdem im Stadtraum installiert. Wo die Werke - außer an seiner Hauswand - bisher umgesetzt wurden, vermag ich nicht zu sagen, denn leider scheint sich der Künstler eher durch seine Werke als durch seine Nachrichten auszudrücken – seit mehreren Monaten warte ich vergeblich auf eine Antwort.

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Annette Kelm