missing icons
2. Kunstflâneur ’26
Bewusst in dieser internationalen Gedenkwoche für die Opfer des Nationalsozialismus möchte ich das Denkzeichen „Stigma“ des Künstlerinnenduos „missing icons“ empfehlen. Am Neuen Wall, Ecke Stadthausbrücke, vor den Stadthöfen erinnert diese Bodenarbeit seit 2022 an die Geschichte des Stadthauses als ehemaligen Sitz der Kriminalpolizei und Gestapo und deren Verbrechen.
Für die großflächige Bodenskulptur des Hamburger Künstlerinnenduos „missing icons“ - bestehend aus den Künstlerinnen Andrea Knobloch (*1961) und Ute Vorkoeper (*1963) - wurden auf rund 200 Quadratmeter der Gehweg aufgebrochen und mit weichem, hellroten Gummigranulat aufgefüllt. Die leicht federnde und farbige Oberfläche legt eine spürbare und sichtbare Spur in den Bügersteig. Sie irritiert und verweist mit der blutroten Farbe auf die Folgen von Willkür, Terror und Gewalt durch Polizei und Gestapo während der NS-Zeit in den Stadthöfen.
2019 schrieb die Kulturbehörde einen künstlerischen Wettbewerb aus, um vor dem ehemaligen Sitz der Gestapo ein deutliches Zeichen der Erinnerung zu setzen. Mit ihrem Entwurf „Stigma“ gewannen Knobloch und Vorkoeper den 1. Preis.
Die Künstlerinnen arbeiteten viele Jahre an zahlreichen bildnerisch-bildhauerischen Projekten für Kunst-am-Bau-Wettbewerbe und Ausstellungen zusammen und gründeten daraufhin 2017 das Label „missing icons“, unter dem sie bis 2022 als Künstlerinnenduo agierten. Inzwischen arbeiten beide wieder als eigenständige Künstlerinnen.
Das Stadthaus an der Stadthausbrücke/Neuer Wall - heute als „Stadthöfe“ bekannt - war bis Juli 1943 der Sitz des Hamburger Polizeipräsidiums. Dort arbeiteten mehrere Hundert Mitarbeiter:innen, darunter für die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und die Kriminalpolizei. Einen vertiefenden Einblick in die Geschichte des Ortes bietet die Ausstellung im Geschichtsort Stadthaus, zu der das rote Mahnmal „Stigma“ hinführt.